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der deutschen Sprache    
Sigrid Saxens Rechtschreibdienst: Schreibhinweise Schreibhinweise

Vorbemerkung: Wer die neuen Regeln richtig anwenden muß (in Behörden als Sollbestimmung und an Schulen verpflichtend) oder möchte (wer tut das freiwillig?!), richte sich am besten nach dem Regelwerk und der Wörterliste des Rates für deutsche Rechtschreibung. Denn den Wörterbüchern ist seit 1996 nicht mehr zu trauen, ganz zu schweigen von allgemeinen Druckwerken wie Büchern und Zeitungen.
Die folgende Liste moniert falsche Schreibung, ohne daß die neuen Regeln betroffen sind. Aber vermutlich trägt die verbreitete Einstellung, seit 1996 sei alles erlaubt, zu den genannten Fehlern bei.

a) Zeichensetzung
Die Reformen seit 1996 haben die Regeln für die Verwendung von Bindestrich, Gedankenstrich, Klammer, Doppelpunkt, Semikolon und Punkt nicht angetastet. Seit August 2006 sind die seit der 1996er Reform verbotenen Kommasetzungen wieder erlaubt, wenn auch nicht vorgeschrieben. Kommasetzung an der richtigen Stelle erleichtert das Verstehen eines längeren Satzes. Schreibende mögen dies bedenken. – Hier kommentiere ich einige Beobachtungen zur (falschen) heutigen Schreibweise.

Besitzanzeigender Apostroph wird im Deutschen nur zur Unterscheidung von zum Beispiel Andrea's und Andreas' Eigentum verwendet. Solange diese Verwechslungsgefahr nicht besteht, gibt es im Deutschen keinen Apostroph innerhalb eines Wortes (aber als Auslassungszeichen zwischen zwei Wörtern wie bei geht's).

Fehlender Bindestrich kann vom Kauf abhalten:
„Floh und Zeckenhalsband“ statt „Floh- und Zeckenhalsband“,
„4 l Gefrierbeutel“ bedeutet die Menge aller Gefrierbeutel in der Packung: vier Liter. Da fragt es sich, wie groß der einzelne G. ist. Gemeint war „4-l-Gefrierbeutel“: G. mit je vier Litern Fassungsvermögen.
„Null Prozent Finanzierung“ bedeutet keine Finanzierung, keinen Kredit. Gemeint war „Null-Prozent-Finanzierung“, also zinsfreier Kredit.

Ein Gedankenstrich ist ein Bindestrich mit Leerzeichen (Abstand) davor und dahinter. Wie der Name sagt, trennt er, anstatt zu verbinden. Wer vielleicht aus ästhetischem Grund bei zusammengesetzten Wörtern die Leerzeichen setzt, entstellt den Sinn und erschwert das Verstehen des Textes.

Doppel-Nachnamen bekommen wie aneinandergereihte Hauptwörter (wenn sie nicht sogar zusammengeschrieben werden) einen Bindestrich; genauso Sickstraße, aber Bastian-Sick-Straße, und Marienkirche, aber St.-Marien-Kirche.

Hallo und entsprechendes Mundartliches in einer Briefanrede wird, wenn nicht mit Ausrufezeichen beendet, durch Komma vom Namen oder weiteren Text abgetrennt.


Berichtigung von Abfärbungen aus dem Englischen:
Aneinandergereihte Hauptwörter werden im Deutschen zusammengeschrieben oder mit einem Bindestrich verbunden.

Mehrteilige Orts- und Zeitangaben werden im Deutschen nicht durch Komma abgetrennt.

b) Groß-und-Klein-Schreibung beschleunigt wie die klassische Kommasetzung das Verstehen eines Textes, und genau dazu, zum Verstehen, wird etwas aufgeschrieben. Schreibende mögen sich in die Lesenden hineinversetzen!

c) Die „alten“ ß-Regeln [gültig in Deutschland und Österreich, bis Mitte 1996 die Reform für Behörden und Schulen kam, hier laut (Papier-)Duden, 20. Auflage, 1991]:
(Regel 183) ß im Inlaut nach langem Vokal und Doppellaut: Blöße, außer (Regel 184) ß im Auslaut aller Wortstämme, die im Inlaut ß oder ss haben, und in "miß-": Gruß, (ihr) haßt, Kongreß
nur mit s jedoch Bildungen auf -nis und bestimmte Fremdwörter: Zeugnis, Bus (Abkürzung von lateinisch omnibus = für alle);
ß anstelle von ss, wenn ein tonloses e entfällt: vergeßne, wäßrig, laß! (aber nach Regel 186: ich lass')

Zum Angebot Lektorat

Ludwig Reiners:
Von der Verfassung,
in der sich eine Sprache befindet, hängt es ab, was in ihr gedacht und gesagt wird.“ (in: Stilkunst - Ein Lehrbuch deutscher Prosa, Ersterscheinung 1961)

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Aus gutem Grund
verwendet die Herausgeberin so oft wie möglich die bewährte Rechtschreibung.